Die Geschichte der Orgel

Grundsätzlich sind Orgeln seit der Antike bezeugt, die erste Form ist ein Instrument gebaut von Ktesibios aus Alexandria im 3. Jahrhundert v. Chr.. Hier wurde Wasser zur Regelung des Winddruckes verwendet. In Deutschland gibt es Orgeln seit dem Mittelalter. Aus der Gotik sind noch vereinzelnd Werke erhalten, z.B. in Rysum oder Kiedrich. Diese sind natürlich zum Teil rekonstruiert und restauriert, es handeln sich hierbei um einfache Werke mit wenigen Möglichkeiten der Klanggestaltung. Die Orgel in Rysum ist beispielsweise genau auf das Jahr 1457 datierbar. Akustisch waren nur zwei Klangkombinationen möglich, man konnte entweder eine Pfeifenreihe (genannt Praestant 8′) für einen ruhigen Solo-Klang spielen oder per Zug das gesamte restliche Werk hinzuschalten, um einen Tutti-Klang, genannt „Plenum“, zu erhalten. Das, was man sich heute unter einer Orgel vorstellt, ist erst später aufgetreten. Die Beliebtheit der Orgel ging soweit, dass auf Pilgerfahrten tragbare Orgeln, so genannte Truhenorgeln, mitgenommen wurden.

Die für den Orgelbau wichtigste Etappe war von ca. 1600 – 1800 n. Chr.. Es entwickelten sich immer größere Orgeln, die sich in mehrere Teile, so genannte Werke einteilen lassen. Diese Werke, auch Positive genannt, kann man in der barocken Idealvorstellung auch von außen erkennen. Je nach Größe der Orgel gibt es natürlich mehr oder weniger Werke, ein Werk hat allerdings jede Orgel, das Hauptwerk. Dieses ist im Zentrum leicht oberhalb des Spieltisches angeordnet und wird von den Bass- oder Pedaltürmen umgeben, die die größeren Orgelpfeifen beherbergen. Oberhalb des Hauptwerkes befindet sich das Oberwerk, direkt vor dem Organisten das Brustwerk. Oft findet sich im Rücken des Organisten noch ein Rückpositiv. In seltenen Fällen gibt es auch ein Fernwerk, welches sich, räumlich von der Hauptorgel getrennt, an anderer Stelle in der Kirche oder im Konzertsaal befindet. Das kann z.B. für einen Echoeffekt genutzt werden. 

Mit dem Voranschreiten der Reformation und dem Beginn des Gemeindegesangs im Gottesdienst änderte sich ebenfalls das Klangideal zu einem durchdringenden, scharfen und intensiven, zum Teil auch einfach lauterem Klang. Ein Paradebeispiel für eine Orgel, die größenteils nur für den Gemeindegesang konzipiert ist, ist die Orgel der Westerhuser Kirche, die 1642/43 mit Pfeifenwerk der Vorgängerorgel von ca. 1500 gebaut wurde. Sie besitzt nur über vergleichsweise wenige Pfeifenreihen, kann aber trotzdem eine erstaunlich hohe Lautstärke erzeugen, der Klang wird als sehr stark und intensiv beschrieben. Die Einführung des Gemeindegesanges mit Orgelbegleitung lässt sich in Ostfriesland genau auf das Jahr 1641, also nur zwei Jahre vor Fertigstellung, datieren. Der Klangcharakter der Orgel ist für die Begleitung des Gemeindegesangs einer voll besetzten Kirche auch nötig. Lediglich zwei der acht Register sind eher leiser, wenn auch nicht grundtöniger. Auf dieser Website kann unter „Orgeln in Emden und Umgebung“ auch mehr über diese Orgel erfahren werden.

In der Klassik verlor die Orgel an Bedeutung, sie blieb auf dem barocken Stand stehen. Erst in der frühen Romantik erlebt sie wieder einen erneuten Aufschwung, das Ziel war die Imitation des Symphonieorchesters mit entsprechend grundtönigen und dunklen Klangidealen. Eine Wendung kam daraufhin im 20. Jahrhundert mit der Rückbesinnung auf alte Klangbilder. Eine neue Orgelbewegung schenkte dem Instrument wieder mehr Aufmerksamkeit, problematisch war nur, dass alles romantische nahezu überstürzt entfernt wurde. Alte Barocke Werke, die in der Romantik umgebaut und erweitert wurden, wurden zu hastig restauriert, ohne das nötige Wissen zu haben, wie diese im Barock tatsächlich klanglich gestaltet waren, sodass schließlich auch viel historisches Material verloren ging. Erst in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts begann man sowohl romantische als auch barocke Werke in ihren Originalzustand zu restaurieren. Nach 1960 gebaute Orgeln besitzen meistens Stimmen aus beiden Epochen um möglichst vielseitig Literatur spielen zu können.