Klangvariation durch Aliquotenregister

Der orgeltypische Klang kommt auch durch so genannte Aliquotenregister zustande. Diese spiegeln die Obertöne des Grundtons wieder, je nachdem in welchen Kombinationen diese gezogen werden, ändert sich die Klangfarbe.

Der Grundton steht wie schon gesagt in 8′ Lage, der erste Oberton liegt eine Oktave darüber in der 4′ Lage. Das nächste Register ist dann die reine Quinte in 2 2/3′ Lage, die auch manchmal als „Nasat“ oder „Malat“ bezeichnet wird. Mit 8′ und 4′ zusammen erzeugt dieses Register einen Klang, den man am ehesten als etwas hohl beschreiben kann. Ein Quintregister ist meistens auch eine kleineren Orgeln vorhanden. Der nächste Oberton ist dann die schon erwähnte Oktave in 2′ Lage, eine sehr gebrächliche Tonkombination gerade zur Liedbegleitung ist 8′, 4′ und 2′. Die Terz 1 3/5′ ist da schon weniger flexibel, dafür umso charakteristischer. Da sie sich allein mit dem Grundton nur wenig mischt, wird sie häufig in Kombination mit den Oktavregistern und der Quinte 2 2/3′ verwendet. Die Quinte 1 1/3′ ist da weit weniger charakteristisch und wegen seiner relativ einfachen Bauform sogar in kleinen historischen Orgeln Standard. In solchen Orgeln eher unüblich ist die Septime 1 1/7′, erst in größeren Orgeln wird diese Lage häufiger verwendet. Sie mischt sich noch schlechter, als die Terz und kann daher nur in Chören mit anderen Quinten und Terzen verwendet werden. Die Oktave 1′ ist dafür wieder häufiger vorhanden, endweder als Solostimme oder in Mixturen mit anderen Registern verbunden. Die None kommt meistens in 8/9′ Lage vor, man kann sie praktisch nur in Kombination mit anderen Aliquotenregistern verwenden, da das Risiko, dass der Klang zu undeutlich wird und auseinander fällt sehr groß ist. Die None ist nämlich auch Oberton der Quinte 2 2/3′, was die Klangsynthese stören und den Gesamtkang sehr undeutlich werden lassen kann. Diese hohen Register kommen im übrigen an die obere menschliche Hörgrenze heran. Das Schema der Aliquotenregister als Abbildung der Obertöne lässt sich prinzipiell immmer weiterführen, wobei es Aufgabe des Organisten ist, die Obertöne so zu kombinieren, dass das Klangbild nicht durch „falsche“ Residualtöne getrübt wird.

Im Pedal ist meistens kein 8′ Register Basis, sondern tiefere Register, wie ein 16′, 32′ oder extrem selten ein 64′. Die Aliquotenregister werden dem entsprechend in tieferer Lage aufgebaut. Ist ein 32′ Register die Basis, liegt die erste Quinte, also der zweite Oberton bei 10 2/3′. Oft wird auch das Prinzip der Residualtöne, auch Differenztöne genannt, genutzt. Das menschliche Gehirn braucht nicht immer einen Grundton um eine Tonhöhe zu erkennen, Obertöne sind zum Teil ausreichend. So kann aus einem 10 2/3′ und einem 16′ der Eindruck eines 32′ gewonnen werden. Dies geht auch, wenn Register theoretisch unter der Hörgrenze liegen, so kann aus einem 21 1/3′ und einem 32′ ein akustischer 64′ gebaut werden. Die tatsächliche Tonhöhe eines 64′ ist zumindest in der tiefsten Oktave nur noch als Infraschall, also als Vibration im Körper zu bemerken, durch die Residualtöne kann dies umgangen werden und ein tatsächliche Höreindruck einer Tonhöhe entsteht. In Pedal-Soli, wie sie z.B. bei Bach vorkommen, kann, selbst wenn ein entsprechendes Register vorhanden ist, die Grundstimme ebenfalls weggelassen werden. Damit kann vermieden werden, dass der Klang durch den Hall zu dunkel und undurchsichtig wird.

16′ und 4′ Pedal in Groß Midlum:

Aus Holz der Bordun 16′ der Uphuser Kirche, Pedal angehängt: