Uphusen (Ev.-ref. Kirche)

Kirche Uphusen am 29.04.2017

GESCHICHTE

Die erste Orgel in Uphusen wurde 1531 vom Orgelbauer Johannes Emedensis („Johann von Emden“) erbaut. Von diesem Orgelbauer steht im Rijksmuseum in Amsterdam noch eine Orgel,  das Gehäuse und die Prospektpfeifen sind noch original. Sie wurde urspünglich im niederländischen Scheemda errichtet und vermitteln einen kleinen Eindruck davon, wie die alte Orgel in Uphusen in etwa ausgesehen haben musste.  Dieser wurden 1571 Flügeltüren hinzugefügt, die tatsächlich zusammen mit etwas Innenleben der Orgel noch erhalten sind. Sie sind in der Johannes a Lasco Bibliothek ausgestellt und stammen von einem unbekannten, ausländischen Maler. Sie zeigen den Einzug Davids in Jerusalem, während er den Kopf Goliaths trägt. Zusätzlich zu den Flügeltüren weiß man aus einer Nachricht von 1713, dass die Orgel einmal mit dem Wappen der Cirksena mit goldener Harpie und u.a. mit Wappen von Oldenburg, Uttum und Oldersum bemalt war. Aus einer Randbemerkung dieser Nachricht lässt sich auch schließen, dass der Spieltisch vorne war und nicht an der Seite, wie es heute der Fall ist. Außerdem stand das Werk auf der Westseite und nicht auf der Ostseite, wo sich die heutige Orgel befindet. Die Orgel wurde natürlich von diversen Orgelbauern gepflegt, unter anderem von J. Sieburg, dem Orgelbauer, von dem die Orgel in Westerhusen stammt, die noch heute erhalten ist.

Ab 1765 traten dann Probleme auf. Am 6. April 1816 stellte eine Kirchenvisitation fest, dass Regierwerk fehlerhaft war, man es aber nicht mehr reparieren konnte, da Techniken des Orgelbaus aus der Gotik nicht mehr bekannt waren und die Orgelbauer die Orgel nicht rekonstruieren konnten.  Das Werk war sehr hoch gestimmt, sodass der Organist seine Choräle transponieren musste, damit die Gemeinde mitsingen konnte. Die Orgelpfeifen waren zum Teil so schief, dass sie keinen sauberen Ton mehr von sich gaben. Gleichzeitig wurde das Register Principal 8′ gelobt, man sollte das in einer neuen Orgel nachmachen. Man empfahl, dass diese neue Orgel lustigerweise genauso dekorativ gebaut sein sollte, wie die katholische Kirche das gemacht hätte. 1816 offenbarte sich ein weiteres Problem, nämlich das der Orgelboden so vermodert war, dass er nicht mehr gefahrlos betreten werden konnte.

Es wurde sich dafür entschieden, ein neues Gewölbe und eine neue Orgel zu bauen. Das Gewölbe wurde 1818 angebracht. Orgelbauer sollte Wilhelm Caspar Joseph Höffgen sein, der zunächst plante, Teile aus der alten Orgel zu übernehmen. Diesen Plan verwarf er jedoch und baute von 1825 bis 1831 eine komplett neue Orgel, die noch heute in der Kirche steht und fast komplett original erhalten geblieben ist. Es sollte zusammen mit einer Orgel in Freepsum Höffgens einziges Werk bleiben. Es folgten diverse Reparaturen, wobei das Pfeifenwerk erstaunlich gut erhalten blieb. 1926 wurden neue Prospektpfeifen eingebaut.

Die Orgel war um zwei Halbtöne zu tief gestimmt, 1947 wurden bei einer Instandsetzung alle Pfeifen unsachgemäß oben abgeschnitten. Aus einem Gutachten von 1954 geht hervor, dass es aussah, als hätte jemand mit einem Tomatenmesser gewütet. 1954 wurde bei einer Reparatur durch Alfred Führer die tiefe Oktave des Bordun 16′  ausgewechselt. Die Pfeifen dafür stammten von der Firma Walcker und sollten eigentlich viel eher schon eingebaut werden.

1996 wurde die Orgel in einem ersten Bauabschnitt restauriert, das Geld dafür wurde durch Spenden zusammengetragen. Der zweite Bauabschnitt endete am 9.11.1997 und wurde durch die Gerhard ten Doornkaat Koolman-Stiftung finanziert. Die Orgel wurde vom Norder Orgelbauer Bartelt Immer restauriert. Heute ist es ein schönes, gut klingendes Werk, das einige Besonderheiten beherbergt.

Dieser Überblick setzt sich aus meinen aktuellen Kenntnissen über die Orgel und aus historischen Kenntnissen zusammen, die ich aus Wikipedia und folgender Quelle entnommen habe:

Nickles, Ralph: Orgelinventar der Krummhörn und der Stadt Emden, Verlag H. M. Hausschild GMBH, Bremen 1995, Herausgeber: Harald Vogel, Veröffentlichungen der Akademie für Alte Musik, Institut der Hochschule für Künste Bremen.

Ich gebe keine Gewähr für die Richtigkeit dieses Textes.

BESCHREIBUNG, BESONDERHEITEN, DISPOSITION

Die Orgel befindet sich gegenüber vom Eingang auf der Ostseite und ist auf einer Brüstung vor dem Chorraum platziert. Sie verfügt über ein Manual und ein angehängtes Pedal, was vom großen C bis zum kleinen g ausgebaut ist. Die Orgel ist seitenspielig. Es sind insgesamt 14 klingende Register vorhanden, das Ventil ist dabei kein Symetrieregister, sondern muss beim Anschalten der Orgel gezogen und eingehakt werden. Die Spieltraktur ist zum Teil etwas schwergängiger, als man es vielleicht von anderen Orgeln gewohnt ist, außerdem sind die Tasten geringfügig kürzer als normal. Das Pedal lässt sich hauptsächlich für den Orgelpunkt verwenden, es ist zudem um ca. eine Terz nach oben verschoben, sodass das kleine c in etwa unter der Taste e1 liegt. Es ist kein separates Pedalwerk vorhanden, das Pedal ist an das Manual gekoppelt. Während der Spieltisch etwas gewöhnungsbedürftig erscheint, sind die Register sehr vielfältig und klanglich etwas Besonderes. Man erkennt Anleihen aus der spanischen Orgellandschaft mit einer kräftigen Trompete und der Tatsache, dass die Mixtur 3f. in drei einzelne Register aufgeteilt ist. Die Register geben viele Möglichkeiten für Klangkombinationen. So lässt sich die Intensivität der Mixtur durch das Aufspalten in drei Register genau bestimmen. Die Terz 1 1/3′ ist voll ausgebaut und gibt einen brillanten Klang. Dem gegenüber stehen die leisen Register. Gerade Viola Da Gamba 8′ und Flöt Traver 8′ sind extrem leise und zart, sie stehen damit im krassen Gegensatz zu den lauten Prinzipalstimmen. Sie lassen sich z.B. im Abendmahl verwenden, wenn die Orgel das Geschehen unten untermalt und damit viel zur Atmosphäre beiträgt. Mit der Flöte 4′ und dem Gedakt 8′ stehen dann auch lautere aber ruhigere Register zur Verfügung, die beispielsweise für eine Meditation nach der Predigt genutzt werden können. Der Bordun 16′ hat einen sehr dunklen Klang und klingt schon fast zu dumpf. Er hat leider die Eigenschaft, gerade leisere Stimmen zu überspielen. Man kann ihn dennoch einsetzten, wenn man man bei einem Stück, in dem die linke Hand den Bass spielt, mit der linken Hand in der vorgesehenen Lage spielt, während man die rechte Hand oktaviert. Der 16′ wird in der rechten Hand dadurch zum 8′, der 8′ zum 4′ und der 4′ zum 2′. Dadurch wird der Eindruck erweckt, als würde man mit einem selbstständigen 16′ Fuß Pedal spielen, da die linke Hand ja in Normallage den Bass spielt. Dies geht aber nur bei ruhigen Stücken. Ansonsten hat die Orgel einen obertonreichen, intensiven Klang mit vielen Möglichkeiten, diese zu kombinieren. Wegen der Amplitude von ganz leise bis ganz laut, ist diese Orgel trotz ihrer spielerischen Eingeschränktheit etwas ganz Besonderes. Als Literatur empfehle ich z.B. die kleinen Praeludien und Fugen von Johann Caspar Simon und natürlich die Orgelwerke von Johann Pachelbel. Wenn sie nicht zu komplex sind, lassen sich auch romantische Stücke manualiter spielen.

Disposition:
Praestant 8′
Bordun 16′
Gedakt 8′
Ocktav 4′
Quint 3′ (= 2 2/3′)
Ocktav 2′
Trompet 8′
Ventil
Viola Da Gamba 8′
Flöt Traver 8′
Flöte 4′
Tertian 2′ (= 1 3/5′ komplett ohne Sprünge ausgebaut)
Quint 1 1/2′ (= 1 1/3′, Mixturregister, Quart-Quint-Repetition)
Ocktav 1′ (Mixturregister, Quart-Quint-Repetition)
Tertian (= Quint, Mixturregister, Quart-Quint-Repetition)

Orgelvorstellung Kirche Uphusen