Die Orgel der Kirche Westerhusen

Kirche Westerhusen am 29.04.2017

GESCHICHTE

In der Kirche Westerhusen gab es bereits im 16. Jahrhundert eine Orgel, von der allerdings wenig überliefert ist. Als Jost Sieburg 1642/43 eine neue Orgel baute, übernahm er große Teile des früheren Werkes. Das heißt wiederum, dass die heutige Orgel in Teilen rund 500 Jahre alt ist, wobei das Material natürlich neu verarbeitet und intoniert wurde.  In der Beschreibung steht die Disposition, in der auch vermerkt ist, wann die einzelnen Register gebaut wurden. Er verwendete auch den unteren Teil des Gehäuses, das Ähnlichkeiten zu der bekannten Orgel in Rysum zeigt.

Es folgten kleinere Reparaturen, aber das Pfeifenwerk blieb lange unverändert und erwies sich als sehr widerstandsfähig.  Über die Zeit wurden generell nur wenige Pfeifen repariert.

1875 wurde die Kirche neu gestrichen, dabei auch die Orgel, sie wurde vergoldet und die älteren Inschriften übermahlt.

Vor 1900 wurde der Tastenumfang erweitert, die nötigen Pfeifen wurden in einem weiteren Verschlag untergebracht.

1950 befand sich die Orgel in einem sehr schlechten Zustand. Ähnlich wie in Groß Midlum hatte Pfuscher versucht, das Werk zu verbessern, es aber sehr in Mitleidenschaft gezogen. 1955 wurde die Orgel dann durch Ahrend und Brunzema restauriert. Dabei wurden alle späteren Erweiterungen entfernt und das alte Material gereinigt. Der fehlende vierte Chor der Mixtur wurde mit altem Material rekonstruiert und die Orgel wieder mitteltönig gestimmt. Außerdem wurde die alte Farbe wieder freigelegt, sodass nun die alten Beschriftungen wieder zu lesen sind.

Dieser Überblick setzt sich aus meinen aktuellen Kenntnissen über die Orgel und aus historischen Kenntnissen zusammen, die ich aus folgender Quelle entnommen habe:

Nickles, Ralph: Orgelinventar der Krummhörn und der Stadt Emden, Verlag H. M. Hausschild GMBH, Bremen 1995, Herausgeber: Harald Vogel, Veröffentlichungen der Akademie für Alte Musik, Institut der Hochschule für Künste Bremen.

Ich gebe keine Gewähr für die Richtigkeit dieses Textes, der zum Teil aus reinen Vermutungen besteht.

BESCHREIBUNG, BESONDERHEITEN, DISPOSITION

Die Orgel befindet sich auf der Ostseite der Kirche auf einer Empore vor dem Chorraum. Sie verfügt über ein Manual und ein kleines, angehängtes Pedal. Das Manual ist sehr leichtgängig. Sie ist mitteltönig gestimmt, d.h. es ist empfehlenswert nur Stücke mit Tonarten bis maximal A, bzw. Es-Dur auszuwählen. Auch in Tonarten, wie z.B. e-moll sollte man aufpassen, da die Dominante, also H-Dur, auch schon sehr dissonant klingt. Dafür klingen die „einfachen“ Tonarten aber sehr rein. Es sind, vom Klangeffekt der Zimbelsterne abgesehen, sieben Register vorhanden, die sich alle gut miteinander kombinieren lassen. Besonders hervorzuheben sind Mixtur und Trompete. Die Mixtur hat einen wunderbaren, festlichen und reinen Klang, der auch deutlich größere Orgeln in den Schatten stellt, es handelt sich um eine der schönsten Mixturen Deutschlands. Die Trompete kann man schlecht beschreiben, man muss sie einfach gehört haben, um das Besondere an ihr zu verstehen. Sie gehört zu den ältesten Lingualregistern weltweit. Die Orgel wurde für den damals aufkommenden Gemeindegesang konzipiert und ist dem entsprechend sehr kräftig. Ruhige Klänge kann sie nur mit dem Gedackt 8′, der auch alleine einen sehr charakteristischen und runden Klang hat, in Kombination mit Quintadena oder der Oktave 2′. Für den Gemeindegesang kann man dann den Praestant 4′, der auch im Prospekt steht hinzuziehen. Bei festlichen Anlässen kommen dann die Mixtur, die Quinte und die Trompete zum Einsatz. Für einen Organisten, der eher leisere Töne gewöhnt ist, ist das schon sehr laut, da man quasi direkt vor dem Werk sitzt. Unten ist die Akustik zwar genau so laut, klingt aber deutlich besser, da der Hall hinzukommt. Die Orgel verfügt über Zimbelsterne, die man z.B. für den Auszug am Ende des Gottesdienstes verwenden kann. Das sind zwei Sterne, die sich drehen und dabei einen glockenspielartigen Klang von sich geben. Die Orgel ist ein wunderschönes, historisches Werk, das man sich nicht nur als Organist unbedingt mal ansehen sollte, besonders, wenn man in der Gegend wohnt.

Disposition:
Zimbelsterne
Praestant 4′ (aus gotischer Orgel umgearbeitet, steht im Prospekt)
Gedackt 8′ (von Sieburg)
Quintadena 8′ (aus gotischer Orgel umgearbeitet)
Oktave 2′ (aus gotischer Orgel umgearbeitet)
Quinte 1 1/3′ (aus gotischer Orgel umgearbeitet)
Mixtur 4f. (von Sieburg, vierter Chor 1955 rekonstruiert)
Trompete 8′ (Bassbereich von Sieburg, Diskantbereich älter)

Orgelvorstellung Kirche Westerhusen