Geschichte

Die Orgel der Groß Midlumer Kirche beruht auf zwei, vielleicht drei Vorgängerorgeln.

Von der ersten Orgel ist wenig überliefert, erhalten sind lediglich einige Unterlagen zur Reparatur, Pflege und Inventur. Was man weiß, ist, dass 1579 eine Reparatur stattgefunden hat. In Berichten von 1579 und 1580 wird die Orgel allerdings schon als „ganz zerfallen“ und „nicht mehr zu gebrauchen“ bezeichnet, sie musste also noch einmal wesentlich älter als 1579 gewesen sein. Dann folgen Widersprüche, 1613 ist von einer neuen Orgel die Rede, in einer Inventur von 1766 wird das Alter der Orgel aber auf über 200 Jahre festgelegt. Ich vermute, dass 1613 kein direkter Neubau stattfand, sondern die alte Orgel erweitert und vielleicht neu intoniert wurde. Es war zu der Zeit generell üblich, beim Bau neuer Orgeln Teile der Vorgängerorgel zu übernehmen. 1654 wurde ein Orgelbauer übrigens nicht nur mit Gulden, sondern auch mit einer Tonne (vermutlich ein Fass) Bier bezahlt.  Aus einem Bericht von 1802 geht hervor, dass die Orgel 8 klingende Stimmen auf zwei Manualen hatte. Außerdem ist von einem Brust- und einem Oberwerk (vermutlich das Hauptwerk) die Rede. Zum Vergleich, die heutige Orgel hat 14 Stimmen, aber auf nur einem Manual. Die einzelnen Teilwerke seien aber in einem sehr schlechten Zustand, das Brustwerk war wohl komplett nicht zu gebrauchen, in der Tastatur für das Oberwerk lagen einige Tasten unten und auch das Windwerk konnte den nötigen Luftdruck nicht liefern. Eine Reparatur war aus finanziellen Gründen nicht möglich, was natürlich schade ist, da die Orgel ja scheinbar relativ alt war, ich vermute, dass zeitliche Parallelen zur Orgel in der Westerhuser Kirche bestanden, nur dass die Groß Midlumer Orgel wahrscheinlich etwas größer war und eben über zwei Manuale verfügte.

1803/1804 wurde dann die Orgel gebaut, deren äußere Verkleidung noch heute in der Kirche zu sehen ist, Orgelbauer war J. F. Wenthin. Interessanterweise gibt es noch einen Brief vom H. J. Müller an das Konsistorium in Aurich, der wohl ziemlich sauer war, dass nicht er, sondern sein Konkurrent Wenthin den Auftrag bekommen hat. Die Disposition unterschied sich kaum von der heutigen, statt Malat hatte die Orgel eine Traversflöte 8′ und das Pedal war noch nicht selbstständig, sondern angehängt, statt dem Subbaß im Pedal lag ein Bordun 16′ vor. Die Orgel hielt sehr lange, erst 1944 ist von einigen Problemen mit einzelnen Registern die Rede, außerdem wird erstmals der Einbau eines selbstständigen Pedals thematisiert. Daraufhin haben wohl Pfuscher versucht, das Werk zu verbessern, die Windlade hatte einige Durchstecher und auch die Register blieben nicht verschont. Metallpfeifen waren am Rand ausgefranst, Labien eingedrückt, die Holzpfeifen wurden zum Teil auseinandergeleimt oder mit Zeitungspapier zusammengeklebt.  Die Lingualpfeifen waren verbeult, zusammengedrückt oder wie eine Blumentüte zusammengedreht.

Das Werk wurde leider nie restauriert. Stattdessen baute Alfred Führer 1956 eine neue Orgel. An historischer Substanz erhalten ist nur noch das rote Prospekt, die Windlade, auf deren Verschlag man noch Gravuren von Organisten aus dem 19. Jahrhundert erkennen kann, und die Gedacktflöte 4′, die aus dem alten Gedackt 8′ umgearbeitet wurde. Man kann also sagen, dass die jetzige Orgel im Prinzip von 1956 und nicht von 1803/04 ist.

 

Dieser Überblick setzt sich aus meinen aktuellen Kenntnissen über die Orgel und aus historischen Kenntnissen zusammen, die ich aus folgender Quelle entnommen habe:

Nickles, Ralph: Orgelinventar der Krummhörn und der Stadt Emden, Verlag H. M. Hausschild GMBH, Bremen 1995, Herausgeber: Harald Vogel, Veröffentlichungen der Akademie für Alte Musik, Institut der Hochschule für Künste Bremen.

Ich gebe keine Gewähr für die Richtigkeit dieses Textes, der zum Teil aus reinen Vermutungen besteht.