Die gleichschwebende Stimmung

Die Frage, wer die gleichstufige Stimmung erfunden hat, kann nicht eindeutig geklärt werden. Die älteste Spur führt nach China, dort soll die Stimmung des Ho Tchtung-Thyen, der ca. um 250 v. Chr. gelebt hat, gleichstufig gewesen sein. Bekannt sind auch die Theoretiker Gafurius (1451-1522) und Ramis de Pareira (1440-1500), die die Gleichstufigkeit gekannt, sich aber wiederum in der griechischen Antike bei Aristoxenos (ca. 360-300 v. Chr.) bedient haben sollen. Die Tetrachorde des Aristoxenos waren allerdings aller Wahrscheinlichkeit nach nicht gleichstufig. Generell stellt sich auch die Frage, ob diese Theoretiker die Stimmung nicht nur erfunden, sondern auch tatsächlich angewandt haben. Es steht fest, dass der Übergang zwischen „klassischen Tonskalen“ und der Gleichstufigkeit fließend war.

Die gleichstufige Stimmung bietet unbeschränkte Modulations- und Transpositionsmöglichkeiten, da alle Tonarten gleich klingen. Die Oktave wird in zwölf gleich große Teile geteilt und hat per Definition 1200 Cent, ein Halbtonschritt liegt also bei 100 Cent. Eine Quinte hat daher genau 700 Cent, das εp wird gleichmäßig auf alle Intervalle verteilt. Generell kann die Reinheit einfacher Intervalle besser wahrgenommen werden, als die komplexerer Intervalle, sodass es günstiger ist, den Fokus mehr auf die Quinte zu legen und die Terz etwas schwebender zu gestalten. Dies ist in der gleichstufigen Stimmung auch der Fall, die Terz liegt in der gleichstufigen Stimmung bei 13,7 Cent über der reinen Terz, während zwischen reiner und gleichstufiger Quinte nur 2 Cent Differenz liegen. Im folgendem ist die gleichschwebende Stimmung abgebildet.