Kirnberger als Schüler Bachs

Ein weiterer Anhaltspunkt ist Johann Philipp Kirnberger. Er war Schüler Bachs und dessen Temperierungen haben sicher einen Einfluss auf ihn geübt. So schreibt er u.a. sinngemäß, er habe die Methoden und Lehren Bachs ausgiebig studiert. Das lässt die Vermutung zu, dass seine Stimmungen sehr der ursprünglichen Bach-Stimmung ähneln. Bach selber war allerdings kein Theoretiker. Er hat seine Schüler nicht mit der Berechnung von Tonverhältnissen aufgehalten und auch Kirnberger musste später erst einmal nachvollziehen und berechnen, was er vorher empirisch bei Bach gelernt hatte. Kirnberger äußerte sich aber auch gegen die gleichstufige Stimmung. Er sagte, dass sie unmöglich nach Gehör zu stimmen sei und dass eine gute Temperatur leicht und ohne Monochord oder andere Hilfsmittel einzustellen sein müsse. Herbert Kelletat war 1960 aufgrund dieser Fakten der Meinung, dass die Kirnberger-Stimmungen die Lehre Bachs repräsentieren.

Generell wird oft die Meinung vertreten, Bach sei ein Vorläufer der heutigen gleichstufigen Stimmung, da nur die das Spielen in allen 24 Tonarten ermöglicht. Übersehen wird dabei, dass auch ungleichstufige Stimmungen, wie z.B. Kirnberger III dieses unbegrenzte Transponieren erlauben, mit dem Unterschied, dass eine gewisse Toncharakteristik vorhanden ist. Selbst fis-Dur ist auf einer temperierten Stimmung spielbar. h-Dur, fis/ges-Dur, des-Dur, as-Dur und es-Dur verfügen über pythagoreische Terzen und können für Einstimmigkeit und kontrapunktisches Spiel verwendet werden, während f-Dur, g-Dur und d-Dur teils pythagoreische, teils reine Terzen haben. In c-Dur sind alle Terzen rein. Diese Toncharakteristik spricht gegen die gleichstufige Stimmung, weshalb auch viele Orgeln heute wieder in Kirnberger-Stimmung stehen, wie z.B. die 26-Stimmige Orgel in Wiehl bei Köln.