Das Titelblatt des „Wohltemperirten Clavieres“

Eine neuere Theorie beschäftigt sich mit dem Titelblatt von Bachs Autograph des „Wohltemperirten Clavieres“. Dieses zeigte u.a. eine Verzierung in Form einer Girlande bestehend aus elf Schnörkeln, die als versteckte Stimmungsanweisung gedeutet werden können. Es fällt auf, dass das C aus „Clavier“ direkt mit einem dieser Schnörkel verbunden ist. Die Girlande könnte die elf Quinten einer Stimmung darstellen, das c markiert dabei den Anfang. Einige dieser Schnörkel sind reicher verziert als andere, was auf die Beschaffenheit der Quinten schließen lässt. Die ersten fünf Schleifen stünden dementsprechend für f – c – g – d – a – e und sind reich verziert. Darauf folgen drei sehr einfache Schleifen, die als e – h – fis – cis gedeutet werden können und die Schleifen für cis – gis – es – b, die reicher als die drei zuvor, aber nicht so reich verziert sind, wie die ersten fünf. Anfangs- und Endornament fallen heraus, sodass der Quintenzirkel mit b – f schließt. Der Grad der Verzierung kann als Verkleinerung der Quinten verstanden werden, sodass die ersten fünf Quinten stark verkleinert, die folgenden drei rein und die letzten drei nicht ganz so stark verkleinert sind, wie die ersten fünf. Mehr ist aus dieser Abbildung nicht ersichtlich, obgleich Bradley Lehman 2005 in seinem Buch „Bach’s extraordinary temperament: our Rosetta Stone“ annimmt, die erste fünf Quinten seien um 1/6 εp verkleiner und die letzten drei um
1/12 εp. Dies ist aber stark umstritten, da diese Maße erst später und nur bei mathematisch ausgerichteten Musikern ausgeprägt war. Bach soll außerdem sein Cembalo immer nach dem Gehör gestimmt haben.  Trotzdem kann die Interpretation der Verzierung zumindest als ein weiterer Hinweis betrachtet werden, der dafür spräche, dass Bach ungleichschwebend gestimmt hat.