Geschichte

Über die erste Orgel in der Wolthuser Kirche ist nicht viel bekannt. Sie wird erstmals um 1660 in kleineren Nachrichten erwähnt, u.a. vom Emder Praeceptor Franciscus Baringius, der seinen Sohn für den Organistendienst empfahl. Daraus lässt sich schießen, dass die alte Orgel vor 1660 gebaut wurde. Zudem sind weitere Bewerbungen für den Organistendienst in Wolthusen von 1676 und 1680 erhalten.

1784 wurde die alte Kirche, die wahrscheinlich aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts stammte, abgebrochen und eine neue Kirche gebaut, die den vorderen Teil der heutigen Kirche bildet. 1787 folgte die Küsterei mit einem Schulraum.

1793 wurde dann die Orgel gebaut, die noch heute in der Kirche zu sehen und zu hören ist. Orgelbauer war Johann Friedrich Wenthin. Geplant war ursprünglich eine großere Orgel zu bauen, jedoch reichten dafür die finanziellen Mittel nicht. Wenthin wollte eigentlich eine Mixtur 3f. einbauen, der Platz dafür blieb aber erstmal leer.

Bereits 1828 war die Orgel wieder in einem sehr schlechten und unspielbaren Zustand, sie wurde 1834/35 vom Orgelbauer Wilhelm Caspar Joseph Höffgen repariert, der auch die Orgel in der Uphuser Kirche baute. Er baute auch ein Terzregister in den Platz, wo eigentlich die Mixtur stehen sollte. Noch heute ist das Register am Spieltisch als Mixtur gekennzeichnet und nicht als Terzreihe. Bei einer Reperatur Ende des 19. Jahrhunderts wurden die tiefen Gedacktpfeifen durch Doppelgedackte ersetzt.

1908/09 wurde eine neue Klaviatur eingebaut.

1912 wurde die Kirche dann um den Südflügel erweitert. Das erklärt auch, warum die Orgel für den Kirchenraum eher ungünstig um die Ecke steht, da der südliche Teil erst später dazu kam. Im Zuge der Vergrößerung der Kirche wurde auch eine Vergrößerung der Orgel in Betracht gezogen. Aus einem Kostenanschlag der Orgelbaufirma Bruns geht hervor, dass das Werk im Verhältnis zu Größe der Kirche als zu klein befunden wurde. Dazu kam, dass sich im Zuge der Romantischen Orgelbewegung die  Hörgewohnheiten geändert haben und es passierte das, was leider in vielen Orgeln gemacht wurde. In ein Werk mit Barocken Charakter (die Orgel entwickelte sich von 1750 bis zur Romantik nur wenig weiter) wurden Register eingebaut, die dem Charakter der Romantik, also dem Klangideal einer ganz anderen Zeit, nachkamen.  Das ist gewissermaßen natürlich Geschmackssache und es klang bestimmt auch nicht störend, aber es verfälschte den historischen Klang, den  der Erbauer Wenthin mit seiner Orgel erzielen wollte. 1914 wurden dann eben ein voll ausgebauter 8′ Principal und ein 16′ Subbass für das Pedal  hinzugefügt und das Pedal voll ausgebaut. Die zusätzlichen Pfeifen  wurden in einem weiteren Pfeifenstock hinter der Orgel angebracht. Die Orgel selbst war dadurch größer als heute. Es gab sogar Pläne, ein weiteres Bassregister hinzuzufügen.

1930 wurde dann die alte Trompete durch eine neue ersetzt. 1952 baute man neue Prospektpfeifen ein, die alten mussten 1916 im ersten Weltkrieg abgegeben und durch Pfeifen aus Pappe ersetzt werden.

Die beiden neuen Register von 1914 wurden später wieder entfernt und die Orgel 1984 vom Orgelbauer Alfred Führer umfassend restauriert, sodass die Orgel heute so klingt, wie sie von Wenthin 1793 gedacht war. Dabei ersetzte er nochmals die Trompete, die 1930 hinzugefügt wurde nach dem Vorbild einer Wenthin-Orgel in Reepsholt. Das Werk ist also zum Großteil original erhalten und damit ein wichtiges historisches Werk. Andere Werke von Wenthin, wie z.B. die damalige Orgel in der Großen Kirche, waren nicht so langlebig.

 

Dieser Überblick setzt sich aus meinen aktuellen Kenntnissen über die Orgel und aus historischen Kenntnissen zusammen, die ich aus  folgenden Quellen entnommen habe:

Nickles, Ralph: Orgelinventar der Krummhörn und der Stadt Emden, Verlag H. M. Hausschild GMBH, Bremen 1995, Herausgeber: Harald Vogel, Veröffentlichungen der Akademie für Alte Musik, Institut der Hochschule für Künste Bremen

Pannenborg, Fokko: Aus der Geschichte von Wolthusen Uphusen Marienwehr – was gewesen – was geblieben – was geworden ist, Eigenverlag: Eiline Pannenborg, Emden 1980

Ich gebe keine Gewähr für die Richtigkeit dieses Textes.