
1 Disposition und Überblick
Erbauer: Wilhelm Caspar Joseph Höffgen
Jahr: 1825-31
Ort: Ev.-ref. Kirche Uphusen
Umfang: 14Ip
Alle Register von Höffgen sofern nicht anders angegeben
Bordun 16′ (tiefste Oktave später ersetzt)
Praestant 8′ (Prospekt Bartelt Immer)
Gedakt 8′
Viola Da Gamba 8′
Flöt Traver 8′
Ocktav 4′
Flöte 4′
Quint 3′ (= 2 2/3′)
Ocktav 2′
Tertian 2′ (= 1 3/5′ komplett ohne Sprünge ausgebaut)
Quint 1 1/2′ (= Quinte 1 1/3′, repetierende Mixturreihe)
Ocktav 1′ (repetierende Mixturreihe)
Tertian (= Quinte 2/3′, repetierende Mixturreihe)
Trompet 8′
Pedal: Angehängt an das Hauptwerk
Ventil
Stimmung: Gleichstufig
Stimmtonhöhe: Normal
2 Geschichte
Vorgeschichte:
1531: Bau einer ersten Orgel durch Orgelbauer Johannes Emedensis („Johann von Emden“). Von diesem Orgelbauer steht im Rijksmuseum in Amsterdam noch eine Orgel, das Gehäuse und die Prospektpfeifen sind noch original. Sie wurde urspünglich im niederländischen Scheemda errichtet und vermitteln einen kleinen Eindruck davon, wie die alte Orgel in Uphusen in etwa ausgesehen haben musste.
1571: Ergänzung von Flügeltüren, die tatsächlich zusammen mit etwas Innenleben der Orgel noch erhalten sind. Sie sind in der Johannes a Lasco Bibliothek ausgestellt und stammen von einem unbekannten, ausländischen Maler. Sie zeigen den Einzug Davids in Jerusalem, während er den Kopf Goliaths trägt. Zusätzlich zu den Flügeltüren weiß man aus einer Nachricht von 1713, dass die Orgel einmal mit dem Wappen der Cirksena mit goldener Harpie und u.a. mit Wappen von Oldenburg, Uttum und Oldersum bemalt war. Aus einer Randbemerkung dieser Nachricht lässt sich auch schließen, dass der Spieltisch vorne ist und nicht an der Seite, wie es heute der Fall ist. Außerdem steht das Werk auf der Westseite.
Folgezeit: Pflege durch verschiedene Orgelbauer, darunter Jost Sieburg, dem Orgelbauer, der die noch heute erhaltene Orgel in Westerhusen von 1643 baut.
1765: Probleme mit der Orgel.
1816: Am 6. April stellt eine Kirchenvisitation fest, dass das Regierwerk fehlerhaft ist, man es aber nicht mehr reparieren kann, da Techniken des Orgelbaus aus der Gotik nicht mehr bekannt sind und die Orgelbauer die Orgel nicht rekonstruieren können. Das Werk war sehr hoch gestimmt, sodass der Organist seine Choräle transponieren muss, damit die Gemeinde mitsingen kann. Die Orgelpfeifen sind zum Teil so schief, dass sie keinen sauberen Ton mehr von sich geben. Gleichzeitig wird das Register Principal 8′ gelobt, man sollte das in einer neuen Orgel nachmachen. Man empfiehlt lustigerweise, dass diese neue Orgel genauso dekorativ gebaut sein sollte, wie die katholische Kirche das gemacht hätte. 1816 offenbart sich ein weiteres Problem, nämlich, dass der Orgelboden so vermodert ist, dass er nicht mehr gefahrlos betreten werden kann.
1818: Die Kirche erhält ein neues Gewölbe, der Bau einer neuen Orgel wird beschlossen, Orgelbauer soll Wilhelm Caspar Joseph Höffgen sein.
Heutige Orgel:
1825-31: Höffgen baut die heutige Orgel. Über Höffgens Leben ist nicht viel bekannt. Vor seinem Neubau taucht sein Name nur im Zusammenhang mit diversen Reparaturen, Pflegearbeiten und als Geselle anderer Orgelbauer auf. In Ostfriesland steht er unter dem Konkurrenzdruck der Werkstatt Rohlfs. Die Orgel in Uphusen ist die erste Orgel, die er eigenständig selber bauen darf. Als er mit dem Bau anfängt, war er bereits 52 Jahre alt. Möglicherweise schwingt der Gedanke, dass dieses Werk sein erstes und -bei der Lebenserwartung dieser Zeit- letztes sein kann, immer mit. Die Orgel in Uphusen gibt jedenfalls allen Grund zu dieser Vermutung. Er verwendet nur beste Materialien und konzipiert eine zu der Zeit sehr moderne und individuelle Disposition. Eigentlich soll er fünf alte Register aus der Vorgängerorgel übernehmen, schließlich baut er aber auch diese neu, da sie wohl nicht in sein Konzept passen.
Folgezeit: Diverse Reparaturen werden über die Jahrzehnte durchgeführt, wobei das Pfeifenwerk aber erstaunlich gut erhalten blieb. Ein Grund könnte sein, dass in der Disposition Register wie einer Streicherstimme (Viola da Gamba) bereits vorhanden sind. In anderen Orgeln werden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert hohe Mixturen und Trompeten oft gegen solche eingetauscht, was in Uphusen nicht nötig ist. So bleibt auch die Trompete 8′ erhalten. Lediglich 1926 werden neue Prospektpfeifen eingebaut, nachdem die alten im ersten Weltkrieg eingeschmolzen wurden.
1954: Alfred Führer Orgelbau wechselt die tiefste Oktave des Bordun 16′, die wurmstichig ist, aus. Die Pfeifen dafür stammen von der Firma Walcker und sollten eigentlich viel eher schon eingebaut werden.
1996: Die Orgel wird in einem ersten Bauabschnitt restauriert, das Geld dafür wird durch Spenden zusammengetragen. Der zweite Bauabschnitt endet am 9.11.1997 und wird durch die Gerhard ten Doornkaat Koolman-Stiftung finanziert. Die Orgel wurde vom Norder Orgelbauer Bartelt Immer restauriert. Die Mixtur ist in drei Einzelregister aufgeteilt, was besonders für die italienische Orgellandschaft typisch ist. Deshalb wird beschlossen, den Winddruck so weit zu reduzieren, dass die Pfeifen gerade noch ansprachen. Denn der geringe Winddruck ist ebenfalls charakteristisch für italienischen Orgelbau.
2021: Zwischen der Traversflöte 8′ und der Viola da Gamba 8′, die ohnehin sehr leise sind, ist nun fast kein Unterschied mehr zu hören. Nach jetzigem Erkenntnisstand ist es wahrscheinlicher, dass Höffgen seinen eigenen Stil schaffen wollte und verschiedene Einflüsse verband. Die Pfeifenform ähnelt beispielsweise mehr dem englischen Stil der Frühromantik und mit der aufgespaltenen Mixtur sind deutlich mehr dynamische Abstufungen im Plenum möglich. 2021 wird daher von Bartelt Immer der Winddruck wieder etwas erhöht. Dadurch gewinnt das Werk wieder einiges an Frische. Das passt auch zu Berichten von Ortsansässigen, die die Orgel noch aus der Zeit vor der Restaurierung in den 90er Jahren kennen und erzählen, dass die Orgel nach der Restaurierung auf einmal leiser war.
3 Beschreibung
Die Orgel verfügt über 14 Register auf einem Manual und angehängtem Pedal und ist auf der Ostseite aufgestellt.
Besonders ist, dass das Werk bis auf die Prospektpfeifen und die tiefste Oktave des Bordun 16′ vollständig erhalten ist! Dazu gehört auch die Balkanlage, die sich auf Wunsch auch noch treten lässt, und die gesamte Spiel- und Registertraktur. Die originalen Registerbeschriftungen bestehen aus bedrucktem Papier hinter Glas. Das Ventil muss beim Anschalten der Orgel gezogen und eingehakt werden. Während der Spieltisch etwas gewöhnungsbedürftig erscheint, sind die Register sehr vielfältig und klanglich etwas Besonderes. Es kann mit der geteilten Mixtur dynamisch bis zum vollen Werk aufregistriert werden und die Orgel hat durch den Bordun 16′, die kräftige Trompete 8′ und die vielen Grundstimmen einen starken, gravitätischen Klang. Die Register sind mischbar genug, dass für das volle Werk auch entsprechend alle Register gezogen werden können. Einzig die Terz 1 1/3′ würde ich persönlich nicht im Plenum verwenden, da sie aus Klang etwas herausfällt. Sie lässt sich gut für Soloregistrierungen verwenden, z.B. in Kombination mit der Quinte 2 2/3 als Sesquialter zusammen mit dem Gedackt 8′ und der Flöte 4′. Dem gegenüber steht eine Vielzahl an ruhigen Kombinationen, allein schon durch die vier labialen 8′-Register. Viola Da Gamba 8′ und Flöt Traver 8′ sind sehr leise und zart, sie können gut mit der Flöte 4′ und dem Tremulanten verwendet werden. Die Orgel ist bereits gleichstufig temperiert.
Ein Besuch lohnt sich besonders, weil hier eine frühromantische Orgel hervorragend erhalten ist und sie in ihren dynamischen Schattierungen nahezu beispiellos in Ostfriesland sind.
4 Literaturverzeichnis
Ich gebe keine Gewähr für die Richtigkeit dieses Textes. Neben den folgenden Quellen sind auch meine eigenen Eindrücke von der Orgel eingeflossen und Informationen, die ich vom Orgelbauer und aus dem letzten Restaurationsbericht haben.
Nickles, R. (1995): Orgelinventar der Krummhörn und der Stadt Emden. Bremen: Verlag H. M. Hausschild GMBH.