1958 | Grimersum | Ahrend & Brunzema

Orgelvorstellung, Praeludium in F SwWV 265 (Jan Pieterszoon Sweelinck) und Toccata in C P. 456 (Johann Pachelbel)

1 Disposition und Überblick

Erbauer: Ahrend & Brunzema
Jahr: 1958
Ort: Ev.-ref. Kirche Grimersum
Umfang: 8Ip

Manual:
Praestant 8′
Gedackt 8′
Oktave 4′
Rohrflöte 4′
Oktave 2′
Mixtur 4F.
Scharf 2F.
Trompete 8′

Pedal: Angehängt

Stimmung: Werckmeister modifiziert nach Ahrend, gelegt 1986
Stimmtonhöhe: Normal

2 Geschichte

Vorgeschichte:

1789: Aufstellung einer Orgel durch den Handwerker Hinrich Renken de Vries, die ursprünglich von Richborn 1677 für Berdum errichtet wurde.

1789: Gutachten von Johann Friedrich Wenthin, der ihr einen schlechten Zustand bescheinigt, die Kirchenvögte argumentieren allerdings dagegen.

1867: Neubau durch die Gebrüder Rohlfs, die hat große Ähnlichkeit mit der in Loppersum, allerdings mit Trompete.

1991: Dispositionsänderung durch P. Furtwängler und Hammer.

Heutige Orgel:

1958: Neubau durch Ahrend & Brunzema unter Wiederverwendung von Teilen der technischen Anlage und von Pfeifen in den Registern Oktave 4′ und Oktave 2′, jeweils in umgearbeiteter Form.

1986: Überholung durch Ahrend, Legung einer modifizierten Werckmeister-Stimmung.

3 Beschreibung und Besonderheiten

Die Orgel verfügt über 8 Register auf einem Manual und angehängtem Pedal und ist auf der Westseite aufgestellt.

Die Orgel in Grimersum ist eine der ersten Neubauten von Ahrend & Brunzema. Äußerlich ist sie zunächst eine Kombination aus historischer Inspiration und zeitgenössischen Elementen. Letztere äußern sich im kubistischen Aufbau des Prospekts, die einerseits dem Bauhaus-Stil und andererseits dem schmalen Budget zugute kam. Der Mangel an finanziellen Mitteln lässt sich auch gut an der sehr schlichten Gestaltung des Prospekts erkennen und daran, dass im Innern der Orgel einiges von Rohlfs wiederverwendet wurde. Die historische Inspiration äußert sich in den Flügeltüren, im unteren Teil des Gehäuses mit Ähnlichkeit zu beispielsweise Westerhusen oder Rysum und in den Prospektpfeifen mit Spitzlabien. Im Prospekt steht der Praestant 8′. Die Diskantseite des Registers ist als Spiegelprinzipal gebaut. Pro Ton erklingen in diesem Register auf der rechten Seite des Manuals also gleich zwei Pfeifen, die spiegelbildlich angeordnet sind.

Klanglich besticht der Praestant 8′ durch eine ausgesprochene Vokalität und Wärme mit genug Strich für eine gute Zeichnung im Raum. Dies wird in der Diskantseite noch einmal durch den Spiegelprinzipal gefördert. Die Ansprache ist geringfügig länger und schwächer, als in vielen anderen Orgeln von Ahrend & Brunzema aus der Zeit. Die übrigen Register sind ausnahmslos kraftvoll, selbst Gedackt 8′ Flöte 4′, aber besonders natürlich Scharf und Mixtur. Die Flötenregister bleiben (meiner Meinung nach) klanglich hinter den Prinzipalen zurück und erscheinen etwas farblos. Für das Spiel der verschiedenen Plena empfiehlt sich auf Dauer ein Gehörschutz. Es ist ganz normal, dass sich der für den Organisten wahrnehmbare Klang von dem unterscheidet, der unten ankommt. Das wird an dieser Orgel aber noch dadurch gesteigert, dass der Kirchraum bei der Orgel anders aufgebaut ist, als auf der gegenüberliegenden Seite. Die beiden östlichen Jochs verfügen noch über je ein steinernes Gewölbe, während in den beiden westlichen eine gerade Balkendecke eingezogen ist, unter der auch die Orgel steht.

Die größte Stärke dieser Orgel liegt im schönen, ausgewogenen Praestant 8′.

4 Literaturverzeichnis

Ich gebe keine Gewähr für die Richtigkeit dieses Textes. Dieser Beitrag setzt sich aus Informationen zusammen, die ich bei einem Besuch vor Ort, im Austausch mit Orgelbauer Henrik Ahrend (dafür vielen Dank!) sowie folgender Quelle erfahren habe:

Nickles, R. (1995): Orgelinventar der Krummhörn und der Stadt Emden. Bremen: H. M. Hauschild.