1987 | Langeoog | Hauser

Orgelvorstellung, Präludium und Fuge in F-Dur; BWV 556 (vormals Johann Sebastian Bach zugeschrieben)

1 Disposition und Überblick

Erbauer: Orgelbau Hauser
Jahr: 1987
Ort: Kath. Kirche St. Nikolaus
Umfang: 7I(P)

Hauptwerk:
Bourdon 8′
Principal 4′
Octave 2′
Quinte 1 1/2′

Oberwerk (eigentlich Nebenwerk):
Gedackt 8′
Rohrflöte 4′

Pedal:
Subbass 16′

Koppeln: OW/HW (Schiebekoppel), HW/Ped, OW/Ped
Tremulant

Stimmung: Ungleichstufig
Stimmtonhöhe: Normal

2 Geschichte

Vorgeschichte:

1962-64: Bau der heutigen Kirche

1969: Eine erste Orgel der Firma Alfred Führer Orgelbau mit vier Registern wird aufgestellt.

2002: Die Kirche wird vergrößert.

Heutige Orgel:

1987: Die heutige Orgel wird gebaut. Sie stammt aus dem ehemaligen Missionskloster Höchweit/Werthenstein in der Schweiz.

2019: Die Orgel wird nach Langeoog transloziert.

3 Beschreibung

Die Orgel verfügt über 7 Register auf zwei Manualen und eingeschränkt selbstständigem Pedal und ist auf der Ostseite aufgestellt.

Die Orgel in St. Nikolaus auf Langeoog ist enzigartig in Ostfriesland. Und das liegt am Erbauer: Orgelbau Hauser aus der Schweiz. Beim Anspielen der 7 Register fällt auf, dass vor allem die Prinzipalregister tendenziell streichender und unaufdringlicher sind, als die gleichnamigen Register aus vergleichbaren ostfriesischen Orgeln. Die Orgel füllt die Kirche – die obertonreiche Intonation bewirkt nur eben nicht mit der in den 80er Jahren onmipräsenten Schärfe, sondern eine angenehme Wärme. Präzision und Stringenz bekommt die Orgel durch die Quinte 1 1/2′. Auch, wenn die Beschreibung das vielleicht suggeriert, die Orgel ist von einer romantischen Orgel weit enfernt, dafür sorgt der Strich in den Registern und die Disposition. Man kann sie dank der Koppeln aber sehr gut einem romantischen Klangbild annähern. Die Register verschmelzen wegen der obertonreichen, aber dennoch warmen Intonation sehr gut. Die Disposition mit 7 Registern enthält einen 16′-Subbass und zwei 8′-Flöten, eine etwas mehr und eine etwas weniger streichend und zwei 4′-Registern. Im 80er-Jahre-Neobarock in Norddeutschland hätte man wahrscheinlich mehr Aliquoten oder Zungenstimmen anstelle dieser Doppelbesetzung eingebaut. Das zweite Manual ist auf Langeoog ein reines Flötenwerk, in Ostfriesland hätte man vermutlich noch mindestens ein Cantus-firmus-Register hinzugefügt. Der Aufbau mit zwei Manualen und Pedal, die verschmelzungsfreudigen Register und die drei Koppeln machen die Orgel enorm vielseitig. Für selbstständiges Pedalspiel koppelt man das Pedal einfach an das Oberwerk. Naturlich hat die Orgel weder die norddeutsche Schärfe oder den Bass einer romantischen. Aber der Charakter der Orgel ist einzigartig: Gleichermaßen kräftig wie zurückhaltend, weich wie raumfüllend, streichend wie präsent. Man muss sie mal real gehört haben, um diese Beschreibung nachvollziehen zu können.

Ein Besuch lohnt sich besonders, weil die Orgel ein in Ostfriesland einzigartiges Fenster zum Orgelbau der Schweiz gibt.

4 Literaturverzeichnis

Ich gebe keine Gewähr für die Richtigkeit dieses Textes. Dieser Beitrag setzt sich aus Informationen zusammen, die ich bei einem Besuch vor Ort sowie folgenden Quellen erfahren habe:

Opiolla, M. (2020): Neue Orgel auf Langeoog – Ein Schatz – auch für Kirchenferne. In: aus.sicht. Osnabrück: Verlagsgruppe Bistumspresse. https://www.aussicht.online/artikel/ein-schatz-auch-fuer-kirchenferne (19.05.2026).

Paul, T. (2020): Die Seele der Orgel. Osnabrück: Bistum Osnabrück. https://bistum-osnabrueck.de/die-seele-der-orgel/ (19.05.2026).

Vogel, H.; Ruge, R.; Noah, R.; Stromann, M. (1997): Orgellandschaft Ostfriesland. Norden: Verlag Soltau-Kurier-Norden.